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DOOH Attribution: Was 71 Prozent mehr Besuche belegen
Neun DOOH-Kampagnen in Norwegen, Spitzenwert 71 Prozent mehr Ladenbesuche. Die Quelle nennt selbst Schätzwerte, keine Kaufnachweise. Was eine solche Zahl trägt und welche Fragen sich stellen lassen.

Was passiert ist
invidis berichtet über neun programmatische DOOH-Kampagnen von Arla Foods in Norwegen im Jahr 2025, ausgewertet laut Quelle von Viooh. Spotzi und JCDecaux haben dafür Footfall-Attributionsstudien durchgeführt: Um Werbeträger und Verkaufsstellen wurden virtuelle Geofences gelegt, ausgewertet wurden anonymisierte Mobilfunk- und Standortdaten. Gezählt wurden Telefone, die erst in der Nähe eines Bildschirms und danach in einem festgelegten Zeitraum, meist innerhalb von fünf Tagen, an einer Verkaufsstelle registriert wurden. Die Besuchszahlen wurden mit dem Stand vor der Kampagne verglichen. Der Spitzenwert liegt bei 71 Prozent mehr Ladenbesuchen (Weihnachtskampagne für Castello). Andere Kampagnen liegen niedriger, zum Beispiel 5 Prozent (Starbucks Tripleshot, März/April, rund 145.000 zusätzliche Besuche) oder 41 Prozent (dieselbe Marke im Sommer). Zwischen Werbekontakt und Besuch lagen im Durchschnitt, so die Quelle, weniger als zwei Tage. Die Quelle selbst nennt die Werte Attributionsschätzungen, keine Kaufnachweise, und weist auf mögliche Einflüsse durch Saison, Sonderaktionen und parallele Werbung hin.
Die Zeitspanne von weniger als zwei Tagen ist ein Mittelwert, den der Artikel dem Unternehmen Viooh zuschreibt. Er sagt nichts darüber, wie viele Besuche ohne den Kontakt ohnehin stattgefunden hätten.
Was das für Betreiber von Bildschirmen bedeutet
Was die Zahl trägt. Die Auswertung zeigt, dass Telefone, die zuvor in der Nähe eines Werbeträgers registriert wurden, später an einer Verkaufsstelle auftauchten, und zwar häufiger als vor der Kampagne. Das ist ein Zusammenhang in Bewegungsdaten, mehr nicht.
Was sie nicht trägt. Die Quelle sagt es selbst: Es sind Schätzungen, keine Kaufbelege. Ein Besuch ist kein Kauf. Und ob der Bildschirm den Besuch ausgelöst hat, lässt sich aus der Zahl allein nicht ablesen, denn Saison und weitere Maßnahmen können mitwirken. Verglichen wurde laut Quelle mit dem Stand vor der Kampagne. Eine Vergleichsgruppe ohne Werbekontakt erwähnt der Artikel nicht, ebenso wenig die Größe der Stichprobe und die Länge des Vergleichszeitraums. Er spricht teils von einem Besucherplus, teils von mehr Filialbesuchen; was genau gezählt wurde, bleibt offen.
Einordnung der Redaktion. Ein Spitzenwert ist der beste von neun Werten. Die Spanne von 5 bis 71 Prozent zeigt, dass das Ergebnis stark von Kampagne und Zeitpunkt abhängt. Wer nur die höchste Zahl weitergibt, übertreibt.
Fünf Fragen an einen Attributionsbericht, die Betreiber und Werbekunden stellen können:
- Vergleich. Womit wird verglichen: Zeitraum davor, Gebiet ohne Werbung, Gruppe ohne Kontakt?
- Stichprobe. Wie viele Geräte liegen der Zahl zugrunde, und wie wird auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet?
- Ortsgenauigkeit. Wie groß sind die Geofences, und wie weit ist die Verwechslung mit Passanten, die ohnehin vorbeikommen, ausgeschlossen?
- Zeitfenster. Wie lang darf der Abstand zwischen Kontakt und Besuch sein, und ändert sich das Ergebnis, wenn das Fenster kürzer ist?
- Paralleles. Welche anderen Maßnahmen, Aktionen und Saisoneffekte liefen gleichzeitig?
Für Netzbetreiber. Wer Zahlen weitergibt, nennt Quelle, Zeitraum und Methode und spricht von „Hinweis auf“ statt „Beweis für“. Das spart späteren Streit mit Kunden. Wie die Daten datenschutzrechtlich erhoben wurden, nennt die Quelle nach unserer Lesart nicht; dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.
Herausgeber dieses Magazins ist die Kapaso GmbH, die Software für solche Bildschirme entwickelt. Der Beitrag beschreibt allgemeine Praxis und bezieht sich auf kein Produkt.


